Was sind das für Zeiten?
Fragten wir uns Ende 2024 und veranstalteten am FMP1 eine Revue Roter Rummel. Nicht nur als Referenz an die 1924 von Piscator, Gasbarra, Heartfield und Meisel auf die Bühne gebrachte, sondern als aktuelles Wahltheater zur Bundestagswahl 2025. Der Zuspruch war groß, Kritik blieb auch nicht aus. So ist das, wenn man sich ins Schaufenster stellt.
Mehrfach ermuntert, hatten wir uns entschieden, 2026 erneut eine Revue auf die Bretter unseres Hauses zu bringen. Die Entwicklungen in der Welt, der Bundesrepublik und in Berlin hätten genügend Anlass geboten. Aber immer, wenn wir Anlauf nahmen, überrollten uns die Ereignisse und machten die gesammelten Ideen und Texte zu Altpapier.
Aber mit Blick auf die Berlin-Wahl 2026 konnten wir der Versuchung nicht widerstehen. Schließlich haben wir hier in Platte oder Altbau unsere Wohnung oder suchen verzweifelt eine. Zahlen geringe oder bereits hohe Mieten und sehen immer die Gefahr von Erhöhungen. Heizen mit Fernwärme, Gas oder schon klimafreundlich. Fahren Rad oder Auto und regen uns über den jeweils anderen auf. Oder versuchen, mit dem ÖPNV rechtzeitig zu Terminen zu gelangen. Suchen bei steigenden Temperaturen im Sommer Schatten und Abkühlung. Fehlt uns im Winter der Schnee oder rutschen über Glatteis. Ärgern uns über abgestellten Müll und lassen dennoch gelegentlich etwas fallen. Kochen selbst, gehen in Kneipen und Restaurants oder lassen uns auch Essen liefern. Feiern in Parks oder Clubs. Gehen in Theater und Kinos. Oder demonstrieren. Und wir arbeiten hier. Damit Räume für Veränderung möglich bleiben. Organisieren Ausstellungen, Foren, Konzerte, ein Sommerkino oder Kunstwettbewerbe. Berlin ist unsere Stadt.
Sie ist keine Insel. Die Nachrichten aus der großen Welt und dem eigenen Land sind hier nicht nur täglich zu hören, sondern in ihren Wirkungen zu spüren. Die Wahlkämpfe in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern strahlen bis hierher. Aber am 20.09. geht es hier erst einmal um diese Stadt.
Also haben wir uns erneut an die Arbeit gemacht. Wir haben die täglich neuen Nachrichten aus der Stadt und aus diesem Wahlkampf verfolgt und gesammelt. Wir haben Zeitungen und Scheren genommen. Wahlplakate betrachtet. Wir haben unsere Archive durchforstet. Töne, Statistiken, Bilder zusammengetragen. Wir haben getextet, getestet und wieder verworfen. Wir haben gezweifelt und von vorn angefangen. Wir haben Videos geschnitten und Musik aufgenommen. Wir haben uns Partner:innen gesucht. Und gefunden.
Wir dachten uns, gern wär`n wir lieb und froh, doch die Verhältnisse, sie sind weiterhin nicht so. So blieb eine Collage, ein Ausschnitt unserer Tage, eine Wahlzeitung 2026 in Zeiten der Gefahr voll Widerspruch und Skepsis. (K)eine Optimistische Tragödie. So mag es sein, am Ende wisst ihr nicht, was sollt ihr machen, sollt weinen ihr oder doch noch lachen? Weil die Moral, es ist fatal, nicht mitgeliefert wird in unsrem Fall!
Es sind unsere Zeiten!